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E-Learning in der Lehre

E-Learning ist inzwischen eine in der Lehre oft eingesetzte Methode. Dazu gibt es unterschiedlichste technische Möglichkeiten. Eine häufig benutzte sind sog. Lernplattformen. Wie häufig bei Software, gibt es kommerzielle und kostenlos zugängliche Systeme. Von letzteren am weitesten verbreitet ist Moodle.

Welche Potentiale sehen wir im Einsatz von E-Learning?

Wir sehen E-Learning als didaktische Methode, die je nach Lehrveranstaltung und Vorliebe des Lehrenden zum Einsatz kommen kann. Die Arbeit mit durchstrukturierten Konzepten, in denen E-Learning eine Präsenzveranstaltung ergänzt, kann zu einer erheblichen Steigerung der Qualität in der Lehre führen. Die alleinige Verfügbarkeit von Lernplattformen für die Studierenden bringt allerdings noch keine didaktische Innovation.

Der Einsatz von neuen Medien kann:

  • Darstellung und Vermittlung von Wissen verbessern,
  • Lernen anregen, anleiten und begleiten,
  • die Organisation des Lernens verändern.

Das gelingt allerdings nur, wenn sie zusammen mit didaktischen Konzepten und instruktionalen Methoden eingesetzt werden. Dabei ist es uns nicht wichtig, dass die Lehrenden mit E-Learning in der Perfektion beginnen. Die erste Stufe ist es, den Studierenden Unterlagen und Information für die Lehrveranstaltung zukommen zu lassen, so wie es viele bisher über ihre Homepage anbieten.

Wozu dann Lernplattformen?

Sie bieten den Studierenden einen einheitlichen Rahmen, der ihnen zusätzlich die Möglichkeit zu weiteren Aktionen ermöglicht. Ein nächster Schritt kann der Austausch zwischen Studierenden und Lehrenden sein. Sie machen Umfragen, stellen Aufgaben und Tests, bieten Diskussionsforen und sammeln Ergebnisse auch wieder über die Plattform ein. Auf der letzten Stufe arbeiten die Lehrenden mit den Studierenden, aber auch die Studierenden unter sich, interaktiv. Die Plattformen bieten hierzu neben Chaträumen unterschiedliche Möglichkeiten, Aufgaben, sogar ganze Projekte, online zu bearbeiten und auch bewerten zu lassen. Man kann dazu in Gruppen einteilen oder unterschiedliche Rollen vergeben. Der Kreativität sind hier kaum Grenzen gesetzt.

Worin besteht der Mehrwert?

Es steht außer Frage, dass der Einsatz von E-Learning-Plattformen mit zusätzlichem Zeitaufwand verbunden ist. Wir sind allerdings der Meinung, dass sich dieser mit dem Mehrwert für Lehrende und für die Studierenden durchaus bezahlt macht. Hierzu einige Beispiele:

  • Aktuelle Termine und Hinweise können über die Plattform präsentiert und Studierende automatisch darüber informiert werden.
  • Durch Diskussionsforen können Studierende Fragen zum Stoff, aber auch zu organisatorischen Dingen selbst klären.
  • So reduziert sich im Lauf der Zeit die Flut an E-Mails, die Sie individuell bearbeiten. Zu bestimmten Themen kommen ähnliche Fragen, die können so für alle gleichzeitig beantwortet werden.
  • Sie können zu bearbeitende Aufgaben auf die Plattform stellen, diese auch virtuell einsammeln und sich im Unterricht auf die besonders schwierigen oder speziellen Themen konzentrieren.
  • Neue Themen können im Vorfeld auf der Plattform diskutiert werden. Die Studierenden kommen damit schon mit Meinungen in den Unterricht.
  • Sie können auf unkomplizierte Art und Weise eine kurze Zwischenevaluation oder eine Umfrage einsetzen. Die meisten Lernplattformen bieten hier sehr einfache Funktionen.

Das stellt nur eine Auswahl der Möglichkeiten dar! Wichtig ist, die Studierenden zur aktiven Mitarbeit zu bringen. Die Aktivierung der Lernenden führt zu einer Sicherung des Lernerfolgs. Das Gelernte wird angewendet, geübt und überprüft. Diese Aktivierung kann kognitiv, emotional-motivational und in Bezug auf soziale Interaktion erfolgen. In unseren Workshops werden hierzu viele kreative Ideen gesponnen, diskutiert und umgesetzt.

Wie motiviert man die Studierenden zur Arbeit mit einer Plattform?

Prinzipiell erfüllt ein E-Learning Angebot alle Kriterien, die Deci & Ryan in ihrer „Selbstbestimmungstheorie zur Förderung der intrinsischen Lernmotivation" aufgestellt haben:

  • Autonomieerleben der Studierenden (Wahlmöglichkeiten)
  • Kompetenzerleben (Erfolgserlebnisse)
  • Soziale Eingebundenheit (in der Gruppe und mit dem Dozenten)

Die Studierenden können innerhalb eines vom Lehrenden gesetzten Rahmens ihre Arbeitsaufträge zeitlich und örtlich frei bearbeiten. Beim Lösen dieser Aufgaben erleben sie (hoffentlich!) ihre Kompetenzen. Semestergruppen sind dennoch vorhanden. Und es wird in Gruppen, also im sozialen Verbund gelernt.

Wie gelingt es am besten, Studierende zur Arbeit auf der Plattform zu bringen?

Zum einen sollten die Studierenden voneinander abhängige Arbeitsaufträge erhalten; sie tragen damit füreinander Verantwortung. Und zum anderen ist es die Art der Aufgaben. Optimal ist es, problemorientierte Aufgaben zu stellen:

  • Sie aktivieren kognitiv, weil man die Aufgaben nur bearbeiten kann, wenn man dargebotene Inhalte auch verstanden hat.
  • Sie aktivieren emotional-motivational, wenn die Aufgaben so gestellt sind, dass sie interessant (lebens- und/oder berufsnah!) sind und man sie auch lösen kann.
  • Sie aktivieren durch soziale Interaktion, da die Aufgaben in Gruppen bearbeitet werden können.
  • Sie haben einen Sicherungscharakter in Bezug auf die Übung durch die Wiederholung der Inhalte und des Wissenstransfers.

Trotzdem ist es gerade am Anfang nicht so einfach, die Studierenden vom Sinn und Zweck von E-Learning zu überzeugen und zur Mitarbeit auf der Plattform zu bewegen. Am Anfang des Semesters müssen deshalb die Modalitäten und evtl. Bedingungen der Veranstaltung geklärt werden. Die Studierenden müssen wissen, dass sie Unterlagen nur über die Plattform erhalten. Und dass sie zudem alle aktuellen Hinweise darüber erfahren können. Das heißt:

  • Die Regeln müssen klar sein.
  • Die Plattform muss begleitet, moderiert und immer aktuell sein.
  • Der Bezug und der Verlauf der Lehrveranstaltung müssen immer erkennbar sein!
  • Der Mehrwert muss für die Studierenden erkennbar sein.
  • Praxis- und problemorientierte Aufgabenstellungen.
  • Beiträge von MitstudentInnen bewerten oder kommentieren lassen.
  • Integration und Präsentation der Arbeitsergebnisse im Unterricht.
  • Inhalte der Lernplattform auch als Prüfungsinhalt.
  • Im Idealfall werden auch E-Learning-Elemente in der Präsenzphase integriert.

Wie setze ich eine Lernplattform in meiner Lehrveranstaltung ein?

An dieser Stelle ist eine Klärung von unterschiedlichen Begriffen erforderlich:„E-Learning" bezeichnet lediglich das „electronic Learning", also software-oder internetgestütztes Lernen. Unter „Blended Learning" versteht man „hybrides Lernen", das heißt, es ist eine Mischform zweier Lehrmethodiken. Zum einen besteht eine „Blended Learning" Veranstaltung aus Präsenzphasen, die üblicherweise auch zeitlich überwiegen. Zum anderen werden diese ergänzt mit E-Learning-Anteilen. Eine Blended Learning Veranstaltung besteht also aus Präsenzphasen und aus Selbstlernphasen in Form von E-Learning-Angeboten.

Die Präsenzphase kann man folgendermaßen nutzen:

  • Für die klassische Form der Wissensvermittlung
  • Präsentation von Arbeitsaufträgen
  • Arbeiten in Gruppen zur Vertiefung

Im Anschluss daran, die Selbstlernphasen:

  • Arbeitsaufträge werden bearbeitet, bis zum vereinten Termin ins Netz gestellt
  • Wiederholungen und Zusammenfassungen werden erstellt, Fragen generiert
  • Bearbeitung von problemorientierten Aufgaben
  • Austausch und Diskussion auf Foren